TEIL 1
In einem großen Haus in Tlajomulco, mit einem schwarzen Tor und Tontöpfen am Eingang, lebte Mariana wie eine ungebetene Gästin in ihrer eigenen Ehe.
Ihr Mann, Iván Salcedo, war in der Nachbarschaft als fleißiger, gebildeter und sehr familienorientierter Mann bekannt. Jeden Sonntag kam er Arm in Arm mit seiner Mutter, Doña Rebeca, zur Messe und begrüßte alle mit einem freundlichen Lächeln.
Doch hinter verschlossenen Türen verwandelte sich Iván.
Mariana hatte zwei Töchter: Lucía, 8, und Renata, 5. Es waren liebe, ruhige Mädchen mit großen Augen, die gelernt hatten, Gefahren zu erkennen, bevor sie sie hörten.
Für Iván waren sie keine Quelle der Freude.
Sie waren der „Beweis“ für Marianas Versagen.
„Was nützt du mir, wenn du mir nicht einmal einen Sohn schenken konntest?“ „Fast jeden Morgen erzählte er es ihr, während seine Familie süßes Brot zum Frühstück aß, als wäre nichts geschehen.
Doña Rebeca betete vor einem Bild der Jungfrau von Guadalupe, doch das Hämmern hörte nicht auf.
Don Armando, sein Schwiegervater, tat so, als würde er Quittungen prüfen.
Und Bruno, Iváns jüngerer Bruder, starrte mit zusammengebissenen Zähnen auf seine Kaffeetasse, ohne aufzustehen.
Die Stille der Anwesenden wog schwerer als das Geschrei.
An diesem Morgen lag die Hitze schwer über Guadalajara. In der Küche roch es nach Bohnen, frisch gebackenen Tortillas und Angst.
Lucía half Renata beim Flechten ihrer Haare. Mariana rührte mit zitternden Händen in einem Topf und versuchte, keinen Laut von sich zu geben.
Iván kam mit seinem Handy in der Hand und verzerrtem Gesicht herein.
Er hatte sich Fotos von einer Familientaufe angesehen.
„Sieh dir das an“, spuckte er hervor. „Mein Cousin hat schon zwei Söhne.“ Und hier stehe ich nun, umgeben von nichts als alten Frauen.
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