Man sieht es überall. Eine Frau setzt sich und schlägt fast instinktiv die Beine übereinander. Die Geste wirkt simpel, doch dahinter verbergen sich erlernte Gewohnheiten, kulturelle Normen und psychologische Mechanismen, die prägen, wie man sich in der Öffentlichkeit ausdrückt. Körperhaltung vermittelt Ordnung, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung. Sie fungiert als stumme Sprache, mit der man seinen Raum, seine Emotionen und seine Präsenz reguliert.
Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass dieselbe Körperhaltung je nach Ort, Kleidung und Stimmung unterschiedliche Bedeutungen annehmen kann. Es gibt keine einfache Erklärung, sondern vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Die Geste hat sich gehalten, weil sie Trost spendet, die Privatsphäre schützt und in manchen Situationen die soziale Rolle klar definiert.
Kulturelle Wurzeln und Normen prägten das Verhalten.
Jahrhundertelang wurde die Sitzhaltung von Frauen stark von Mode und sozialem Status beeinflusst. Im viktorianischen Zeitalter galt die Haltung mit eng beieinander stehenden Knien und überkreuzten Knöcheln als korrekt. Voluminöse Kleidung und steife Stoffe erzwangen eine kompakte Haltung. So wurden Anstand und Bildung vermittelt und bestätigt.